ANDRÉ WISCHNEWSKI
CATALOG
kunstraum friesenstrasse I Hannover I 2022
EXHIBITION VIEWS
SELECTION
WORKS
Am laufenden Band.
(in progress ...hereandnowhereandnowhere...)
(205,86 m ...sichernichtsichernichtsicher...)
(157,31 m ...nahezunahezunahe...)
(68,23 m ...upsetupsetup...)
(89,10 m ...IHNENNACHIHNENNACHIHNEN...)
(148,94 m ...GEHT`SNOCHGEHT`SNOCHGEHT`S...)
2024 - open end
Edelstahl / Stainless steel
Rauminstallation variabel /
Sitespecific installation variable
CURRENT
25. April – 31. Mai 2026
Kunsthalle
Trier
Freitag, 24. April 2026
Kulturspektrum Trier
Mi - So 11:00 - 17:00 Uhr
Kunsthalle Trier
Aachener Straße 63
54294 Trier
Kunsthalle Trier, TUFA,
Stadtmuseum Simeonstift,
Schmitt | Petra Schoenewald | Sonya Schönberger | Silke Schönfeld | Nicola Schudy | Paul Schuseil | Jana Kerima Stolzer & Lex Rütten | Nicolaus Werner |
Ulrich Westerfrölke | André Wischnewski
Rheinland-Pfalz Triennale statt. Gezeigt werden 53 künstlerische
Positionen von Künstler:innen mit Bezug zu Rheinland-
Pfalz.
römischen Baudenkmäler und dem Dom St. Peter den Rahmen für einen direkten Austausch zwischen Gegenwartskunst und historischen Orten.
Veränderung und eröffnen neue Perspektiven auf Wahrnehmung,Identität und Zusammenleben.
www.rheinland-pfalz-triennale.de
08. März – 12. Oktober 2025
Kunstmuseum
Stuttgart
19. – 21. September 2025
V8 PLATTFORM
www.viktoria8.de
28. Juni – 16. August 2025
kunstraum friesenstrasse - Sammlung Gisela Sperling
www.kunstraum-friesenstrasse.com
02. April – 18. Mai 2025
Kunststiftung Sachsen-Anhalt
www.kunstfonds.de/aktuelles/veranstaltungen/details/ausgezeichnete-zeitgenoessische-kunst-stiftung-kunstfonds-praesentiert-werke-ihrer-stipendiatinnen-in-halle
NEWS
TEXTS
ENGLISH VERSION BELOW
Später, nachdem sich alle
zurückgezogen haben, hängt jeder
seinen eigenen Gedanken nach…
Zunächst begegnen sich hier die zeichnerische Linie und das Skulpturale. Dieses Zusammentreffen bedeutet nicht nur die Besonderheit der Sammlung Gisela Sperlings, sondern es betrifft auch im Speziellen die Arbeiten des Künstlers André Wischnewski. An der Kreuzung zwischen der verbalen Sprache und dem bildhauerischen Werk, erhebt der Künstler die Linie an einigen Stellen zu stählernen haptischen Raumzeichnungen, in seinen Papierarbeiten wiederum schaffen die Umrisslinien Platz für Handlungsräume und Leerstellen. Schnell wird der Bezug zum Comic deutlich, dem Zwischenmedium von Sprache und Darstellung, welches er in ganz besonderer und facettenreicher Weise bildhauerisch transformiert.
Und dann erleben wir weiter eine ganz formale Begegnung: und zwar zwischen den Werken der Sammlung und denen des Künstlers. Damit möchte ich auch gleich auf die Grundbedingung aller Begegnung verweisen, nämlich auf das gegenseitige Erkennen.
André Wischnewski
Bevor aber auf diese grundlegende Philosophie der Begegnung eingegangen wird, sollen also die vielzähligen Begegnungen in den Werken Wischnewskis besprochen werden. Der Bildhauer hat sich auf eine ganz besondere Beziehung spezialisiert, nämlich auf das Zusammentreffen von Sprache und Werk, von Sichtbarem und Sagbarem. Hier begegnen sich zwei Bereiche, deren jeweilige Zeitlichkeiten unterschiedlicher nicht sein könnten: denn das gesprochene Wort ist für unsere Sinne nicht zu halten, es ist höchstens als innerer Nachhall für kurze Zeit noch zu vernehmen, aber entzieht sich unserer Festhaltbarkeit. Die Dynamik des gesprochenen Wortes ist also erstmal nicht zu konservieren. Dagegen steht mit der Skulptur ein traditionell un-dynamisches und monumentales Programm gegenüber. Hier befinden wir uns doch eigentlich bei einer ganz klassischen Problemstellung der Kunstgeschichte, nämlich der Paragone von Sprache und Bildlichkeit.
Weiter trägt auch die geschriebene Sprache – die Schrift – Elemente in sich, deren Übersetzung nicht einmal in die gesprochene Sprache möglich ist: ihr Bereich ist die Fläche, die durch Satzzeichen begrenzt wird. Diese Satzzeichen sind unaussprechliche Verbindungsstücke und Intensivierungen – Zeichen, die oftmals als stumme Diener die Kommunikation lenken, wie etwa geschweifte Klammern und Semikola. Die Schrift hat damit ganz eigene Gesetze: Der Philosoph Nelson Goodman gab in seiner Definition des Schriftbildes an, dass dieses eben aus Lücken und Leerstellen bestehe und es sich gerade durch diese Zwischenräumlichkeit auszeichne. Darin unterscheiden sich mit Goodman Bilder und Schriftbilder: das Schriftbild zeichnet sich durch seine Leerstellen aus, durch die Räume zwischen den Zeichen, während Bilder eine kontinuierliche Dichte besitzen.
Wir haben es also sowohl beim gesprochenen als auch beim geschriebenen Wort mit einer ganz eigenen Gesetzhaftigkeit zu tun und ihre Übertragung in einen anderen Zustand scheint ein problematisches Unterfangen. Hier nun kommt die Besonderheit der Bildhauerei ins Spiel: André Wischnewski überträgt eben genau jene Momente des Nicht-Greifbaren der Sprache in den Raum, indem er Versatzstücke zwischenmenschlicher Kommunikation zu haltbaren Größen und räumlichen Interventionen ernennt. Lautsprache und Dynamiken des Blattes werden dann zum Skulpturalen. Das bedeutet eine Gleichzeitigkeit von Sprache und Lauten, von Bild und Atmosphäre, die so genau aus einem bestimmten Genre bekannt ist, das ich bereits erwähnte und dessen Ordnungen sich Wischnewski bedient: dem Comic.
Indem Wischnewski also die Outlines des freien Falles nachempfindet oder die unsichtbaren Linien der Sprache in den Raum stellt, generiert er dieses Zusammenspiel aus Sichtbarmachung des eigentlich Nicht-Darstellbaren in einem real-gewordenen ästhetischen Raum und damit auch unsere Setzung in diesem Zeichensystem. Es erinnert mich an ein Zitat des Künstlers Lawrence Wiener über die Linie:
Each Act Must Have Consequence
Each Line Does Have Meaning
Lawrence Weiner
Das Zitat des Konzeptkünstlers scheint mir für die Arbeiten Wischnewskis treffend, denn der amerikanische Künstler wurde dafür bekannt, auch ebendas zur Skulptur zu machen, das nicht da ist. Wiener veröffentlichte 1968 eine künstlerische Absichtserklärung, in der er den gemeinsamen künstlerischen Prozess durch Künstler und Rezipientenschaft verkündet. Hier verweist Wiener auf die Konsequenz jeder künstlerischen Handlung und die aktive Ausführung durch die Rezipierenden. Im 2. OG. dieser Ausstellung befindet sich ein Werk Wischnewskis, das sich mit dem Titel Kategorischer Imperativ einem ähnlichen Verhältnis von Ausführung und Handlung widmet: der Kategorische Imperativ gibt als feine Raumzeichnung eine Handlungsweise vor, die Installation zu betreten und eine Haltung der Rezeption anzunehmen.
Wie die Rückführung auf wesentliche Elemente neue Räume entstehen lässt, zeigt Wischnewski auch mit den Papierarbeiten im 2. OG., die rein formal ihre Affinität zum Comic-Buch nicht bestreiten können. Seine Soundbooks und Soundpieces sind nun in einem anderen Verhältnis zu uns geordnet als die Raumskulpturen aus Stahl. Sie stehen uns nicht als Charaktere im Raum entgegen, sondern fordern zunächst eine recht gewöhnliche Rezeptionsweise: das nahe Herantreten an das Blatt, das dann üblicherweise eine Bilderfolge angibt. Doch diese Papierarbeiten sind ihrem Ursprung des Comic-Blatts entfremdet: Im Cut-Out-Verfahren des Messerschnitts lässt der Künstler nur die Umrisslinien der Bildanlagen stehen und macht in Betonung der umgebenden Linie das strukturierte Layout sichtbar. Dieses wird nun ausgehöhlt zur Leerstelle und indem die Blätter geschichtet werden, gehen die einzelnen Leerstellen der Seiten miteinander ins Gespräch. Die Chronologie eines Comic-Buches wird traditioneller Weise durch das einzelne Blättern der Seiten erst nach und nach erschlossen: Wischnewski enthebelt nicht nur diese tradierten Zuordnungen von Zeitlichkeit und Chronologie des Blattes, sondern spielt auch mit dem Verhältnis von Fläche und Tiefe. Indem er nur die Umrisslinien der Bildanlagen stehen lässt und diese schichtet, wird eine Tiefe der drapierten Messerschnitt-Arbeiten generiert, die ihrem Zusammenspiel eine eigene Narrativität zusprechen. In der Simultanität der Leerstellen werden so Dynamiken sichtbar – die Bildanlagen und ihre Schichtung halten ganz ohne comic-typische Bebilderung die Energie des Erzählens bereit. Den Bildern entledigt, bleibt darin einzig die comic-typische Lautschrift als wesentliches Element bestehen, um die jeweilige Stimmung des Blattes zu bekräftigen. Das sind Textstücke und Laute, die in der Kommunikation des Comics Stimmungen affizieren, intensivieren und einbetten. Emotionen, wie etwa die Wut, werden von einem knurrenden „GRRR“ in greller Typografie begleitet; dynamischen Geschehnissen und Effekten, wie etwa einem freien Fall, wird dann vielleicht ein „BOOM“ zur Seite gestellt.
Die Präsentation dieses eigentlich Nebensächlichen – wie es Laute, Geräusche und Sprachfetzen normalerweise bedeuten – dienen hier aber nicht der Unterstreichung einer Narration, sondern sie werden zum führenden Element der Arbeit. Sie sind nicht nur das übrig-Gebliebene, sondern sie geben den Soundpieces eine explizite narrativierende Kraft. Damit wird auch Verbales selbst zum Ikonischen. In der Visualisierung von Geräuschkulissen, wird ein besonderer Grenzgang zwischen Sichtbarem und Sagbarem provoziert. So ist es nicht verwunderlich, dass Wischnewskis Behauptung eines Klangstückes durch das Auge rezipiert wird.
Wir bleiben bei einer solchen Verwirrung der Sinne: denn im nächsten Raum umgeben uns Ergänzungen der Sprache als architektonisches und haptisches Element: das Begleitkommentar Wischnewskis ist ein raffiniertes Spiel zwischen Semantizität und Ornament. Als Gipsbordüre hangeln sich „ujujuj’s“ an der Wand entlang, umgeben uns und führen damit sprachliche und architektonische Parameter des Umzwingelns (oder: Umgebens) zusammen. Dem Buchstaben wird nicht nur durch die Haptik bildhauerischer Qualitäten zugesprochen: das Verstummen von Lauten wird hier in ein architektonisches Zusammenfallen übersetzt. Indem die Gips-Buchstaben plötzlich der Schwerkraft zuhören müssen, bringt der Bildhauer mit humoristischer Qualität eine Leichtigkeit in das Spiel zwischen den Kategorien. Das Ornament ist ein sich wiederholendes Muster mit symbolischer Funktion. Neben der Ordnung der Räume kennen wir dieses Prinzip etwa aus Briefköpfen. Doch diese Zusammenführung, die nun schriftliche, architektonische und verbale Semantiken betrifft, ist eine besondere Kreuzung. Wischnewski zeigt eine Parallelität von architektonischer und sprachlicher Umhüllung: mit einem Augenzwinkern verbindet der Bildhauer die beiden Techniken und überlistet nicht nur gemeine Sinnes-Zuordnungen, die Ohren und Augen betreffen, Fläche und Räumlichkeit, sondern auch die Disziplinen Architektur und Schrift.
Das Begegnen
Gehen wir nun durch die beiden Stockwerke, gelangen wir an markierte Orte der Begegnung. Zunächst von Schrift und Bildhauerei, Fläche und Tiefe, Linie und Raum: und dann hält diese Ausstellung doch ein ganz besonderes Aufeinandertreffen bereit, indem nicht nur die Werke des Künstlers Wischnewskis ausgestellt sind, sondern indem der Künstler einige Werke der Sammlung gewählt hat, die seinen räumlichen Interventionen heute Beiseite stehen.
Im Eingangsbereich des Untergeschosses sehen wir die Arbeit 92397 mm and Three Characters. Die dynamischen Linien verbinden sich hier mit zusätzlichen Bausteinen, die wie herumschwirrende Glieder einer Erzählung wirken: eine Blechspitze, ein Holzgriff und eine Pfeife als Markerpunkte für Geschehnisse und Narrationen. Die stählernen Umrisslinien verstanden als Eckpunkte unserer Momentaufnahmen; wie aus den Comic-Bildanlagen wirken dann die Gegenstände lose eingesetzt. Ihr Gegenüber solcher ausgelöster Erzählpunkte findet sich dann in einem Werk der Sammlung; genauer in einem Werk von Thomas Schütte. Sind doch auch seine blauen Hüte eine Reduktion, sind sie doch symbolhafte Anzeige und Erkennungsmerkmal für Schüttes Oeuvre, indem er durch abstrahierte Figürlichkeit, Narrative menschlichen Zusammenlebens unterbreitet.
Insgesamt vier solcher Treffen aus den Werken der Sammlung und seinen eigenen Arbeiten stellt uns Wischnewski heute vor.
Later, when everyone has withdrawn,
they will each dwell on their own thoughts...
First and foremost, it is the graphic line and the medium of sculpture that intersect here, thus forming an encounter. This convergence not only characterises the Gisela Sperling Collection, but it is also integral to the works of André Wischnewski. Moving between the realms of language and sculpture, the artist elevates the line in some instances to become haptic spatial drawings. In his works on paper however, the outlines create a void as well as scope for action. The reference to comics quickly becomes evident – the intermediate medium between language and image, which Wischnewski transforms into a very particular and multifaceted sculptural form.
We become witness to a further formal encounter, between the works of the collection and those of the artist. This brings me to the fundamental condition of encounters: mutual recognition.
André Wischnewski
Before going into further detail about the fundamental philosophy of encounters, I want to start by addressing the numerous encounters within Wischnewski's works. The sculptor has specialised in a very particular relationship, the encounter between language and sculpture, exploring what can be seen and what can be articulated. The two realms converge here, while their respective temporalities could not be more different. The spoken word cannot be physically grasped by our senses, it can only be perceived briefly as an inner echo. The dynamic of the spoken word therefore cannot be preserved. Sculpture, on the other hand, is traditionally associated with being undynamic and monumental. We find ourselves confronted with a common challenge in art history, the paragon of language and imagery.
There are elements of the written language – certain characters – that cannot possibly be translated into the spoken language, whose scope is confined by punctuation marks. These punctuation marks are inexpressible connectors and intensifiers – signs that often guide communication as silent supporters, such as curly brackets and semicolons. The written language thus has its own laws. The philosopher Nelson Goodman defined notational systems as consisting of gaps and spaces, distinguishing themselves through this quality. According to Goodman, this sets notational systems apart from pictures: A notational system is characterized by its gaps, the spaces between symbols, while pictures possess a continuous density.
In both the spoken and the written language we are therefore dealing with a very particular set of rules. Translating them to another form seems to be a difficult undertaking. This is where the unique nature of sculpture comes into play: André Wischnewski translates those very moments of linguistic intangibility into space by turning elements of interpersonal communication into tangible and spatial interventions. Language and the dynamics of the page thus become sculptural. This evokes a simultaneity of language and sounds, of depiction and atmosphere, that is reminiscent of a particular genre, which has already been referred to and whose structures Wischnewski draws upon: the comic.
By recreating the outlines of free fall or by transporting the invisible lines of language into space, Wischnewski generates an interplay between the visualisation of the non-representable in an aesthetic physical space, and therefore also our position in this system of signs. It reminds me of a quote from the artist Lawrence Wiener about the line:
Each Act Must Have Consequence
Each Line Does Have Meaning
Lawrence Weiner
The quote by the conceptual artist seems apt in reference to Wischnewski's works, as the American artist became known for transforming absence itself into sculptural elements. In 1968, Wiener published an artistic declaration of intent in which he proclaimed the joint artistic process by artists and recipients. Wiener was referring to the consequence of every artistic act and the active execution by the recipients. On the second floor of the exhibition, a work by Wischnewski is dedicated to a similar relationship between execution and action titled Kategorischer Imperativ (Categorical Imperative). It is a drawing of a floor plan that prescribes a way of entering the installation and in what form it should be perceived.
Wischnewski's works on paper on the second floor, which bear a formal affinity to comic books, also demonstrate how the reduction to essential elements can create new spaces. In terms of relation, his Soundbooks and Soundpieces are arranged differently compared to the steel sculptures. They do not confront us as subjects in the space, but initially require a fairly conventional mode of perception. Approaching the sheet of paper, we would usually expect to see a sequence of images on it. These works on paper, however, differ from the original comic format. By using the cut-out technique, the artist leaves nothing but the outlines of the images. Emphasizing the frame causes the structured layout to become visible. The layout becomes a blank space, and by layering the sheets, the individual blank spaces on the pages enter into conversation with each other. Traditionally, the chronology of a comic book is only gradually revealed by turning each page individually. Not only does Wischnewski undo the traditional order of temporality and the chronology of the page, he also plays with the relationship between surface and depth. By leaving only the outlines of the images and layering them, a certain depth is created, which, in combination with the other cut-out pages, generates a narrative of its own. Dynamics thus become visible in the simultaneity of the empty spaces – the image arrangements and their layering retain the energy of the narrative even without the typical comic illustrations being visible. Stripped of the images, only the phonetic writing typical of comics remains as an essential element to reinforce the respective mood of the page. The text fragments and sounds that affect, intensify and embody moods in the comic's narrative remain. Emotions, such as anger, are accompanied by a growling “GRRR” in garish typography; dynamic events and effects, such as a free fall, are accompanied by a “BOOM”.
The presentation of the seemingly insignificant – such as sounds, noises and snippets of words – does not serve to underline a narrative in these cases, but rather becomes the central element of the work. They are not merely remnants, but they give the Soundpieces an explicit narrative power. Therefore the verbal elements themselves become iconic. In the visualization of soundscapes, a certain distinction between the visible and the speakable is provoked. It is therefore not surprising that Wischnewski's claim of a soundpiece is being perceived visually.
A sense of confusion remains as we proceed to the following room. We find ourselves surrounded by sequences of letters in the form of architectural and haptic elements. Wischnewski's work Begleitkommentar (accompanying commentary) is a sophisticated interplay between semanticality and ornament. In the form of a plaster frieze, 'ujujuj's' trail along the wall, encircling us and combining linguistic and architectural aspects of enclosure. The letters are not only awarded tactile sculptural qualities: the silencing of sounds is translated here into an architectural collapse. By suddenly subjecting the plaster letters to the force of gravity, the sculptor introduces a humorous lightness into the interplay between the categories. The ornament is a repeating pattern with a symbolic function. In addition to the organisation of the rooms, we are familiar with this principle from letterheads, for example. This combination, however, which now concerns written, architectural and verbal semantics, is a particular hybridisation. Wischnewski reveals a parallelism between architectural and linguistic envelopment: with a twinkle in his eye, the sculptor combines the two techniques, outwitting not only the common sensory associations that relate to ears and eyes, surface and space, but also to the disciplines of architecture and writing.
The Encounter
As we make our way across the two floors, we perceive various sites of encounter – writing and sculpture, surface and depth, lines and space. However, the exhibition holds a further, very particular encounter. Not only are works by Wischnewski on display, but the artist has also selected a number of items from the collection that are paired with his spatial interventions.
In the entrance area on the lowest level, we are presented with the work 92397 mm and Three Characters. The dynamic lines connect with additional elements that function as floating fragments of a narrative: a metal tip, a wooden handle and a pipe serve as markers for events and stories. The steel outlines can be understood as the cornerstones of our view; the objects appear to be loosely placed, much as the layout of a comic book. The counterpart to such elicited narrative points can be found in a piece from the collection; more precisely, in a work by Thomas Schütte. His blue hats are just as reductive, a symbolic indicator and distinguishing feature of Schütte's oeuvre, in which he presents narratives of human coexistence through abstracted figurativity. Wischnewski presents us with four of these encounters between pieces from the collection and his own works..
Whatever you say
Comicheftseite - lässt zunächst an eine verbogene, gekrümmte architektonische Struktur denken. Indem André Wischnewski zu Gunsten einer gesteigerten Abstraktion auf die explizite Symbolik der vorangegangenen Arbeiten verzichtet, stellt das Werk eine konsequente Fortführung und Steigerung von „Sound 1“ (2016) oder „Später, nachdem sich alle zurückgezogen haben, hängt jeder seinen eigenen Gedanken nach …“ (2016) dar.
Diese sind Comicbücher, ihrer ureigensten Codes, den Bildern, beraubt, verwandelt in zufällig anmutende Rastersysteme, in welchen nahezu tautologisch anmutende Dialogfragmente als auch der dem Comic eigene lautmalerische Elemente als bezugsfreie Zitate anklingen.
In der für den Skulpturenpark Heidelberg angefertigten Skulptur „Whatever you say“ - Was immer du erzählst - kehrt André Wischnewski diesen Prozess um. Was vorher das Eingreifen und Transformieren des Fundstücks in Form eines fragilen Comicheftes war, wird zum begehbaren Stahlkonstrukt, dessen Farbe und Anordnung seiner Rasterfelder als Echo seines Ursprungs, des Comicheftes, erhalten bleibt.
André Wischnewskis Beschäftigung mit utopischen Architekturen als auch der Auseinandersetzung mit Künstlern wie Michael Heizer, ein Vertreter der Land Art oder Site Sculpture. Das Doppelbödige und Brutalistische dessen monumentaler Landschaftsinterventionen, z. B. „Double Negative“ (1969) oder „City“ (1970, unvollendet), überführt André Wischnewski in einen luftigen Minimalismus, in welchem sicher auch eine gesunde Prise Humor mitschwingt.
„Whatever you say“ könnte auch als eine sensible Reminiszenz an Eduardo Chillidas „Peine del viento - Windkämme„ (1977) an der Küste San Sebastians, dessen rostige und verdrehte Zinken sich dort krude gegen die See und die mitunter heftigen Böen behaupten, verstanden werden. Die harte Formensprache Chillidas bewegender Metapher des menschlichen Daseins transponiert André Wischnewski in die Leichtigkeit eines vom Wind verwehten Blattes Papier, dessen Chiffre doch zugleich auch von einer gewissen Vergeblichkeit zeugt: Whatever you say.
Alexander Horn
Whatever you say
By shedding the explicit symbolism of earlier works in favour of a heightened abstraction, André Wischnewski’s work represents a consistent continuation and refinement of ”Sound 1” (2016) and ”Später, nachdem sich alle
zurückgezogen haben, hängt jeder
 seinen eigenen Gedanken nach…”(2016) (”Later, when everyone has withdrawn, they will each dwell on their own thoughts...”). These works are comic books stripped of their essential codes - the images - transformed into seemingly random grid systems in which almost tautological fragments of dialogue, as well as the onomatopoeic elements characteristic of comics, resonate as context-free quotations.
Alexander Horn
Hier und Anderswo
Die Künstlichkeit dieses im buchstäblichen Sinne deplazierten Ortes ist der
Ausgangspunkt für die bildhauerische Arbeit von André Wischnewski. Wobei derKünstler sich weniger mit den hier dargebotenen exotischen Pflanzen beschäftigt, als mit dem, was diesem Einblick in die Flora einer anderen Klimazone fehlt: mit dem akustischen Leben, ohne das die isolierte Pflanzenwelt zum Bild erstarrt. Es ist die lautliche Abgeschiedenheit im Innenraum der Schauhäuser, das weitgehende Fehlen von akustischen Milieus, welche das Sichtbare in das Hörbare einbetten, die Wischnewski zum Gegenstand seiner Arbeit macht. Ist das ein Gegenstand? Wenn ja, so ist es zumindest einer, der sich entzieht, der nicht nur durch Abwesenheit glänzt, sondern der an sich ungreifbar ist. Wischnewski macht ihn manifest.
Arbeit von Hautzdorf doch dem Prinzip der Mimikry – nämlich einer allmählichen Angleichung an ihr unmittelbares Umfeld, einer verschwiegenen Einfügung ins vorgefundene Milieu. Das liegt nicht nur an der Wahl der Materialien, in denen Konstruktives und Vegetabiles ineinandergreifen. Die Disproportion des Hufeisens, das gewöhnlich als Glücksbringer über Türstürzen hängt, erzeugt Familienähnlichkeiten zu den Torbögen und Umgängen, die sich im gestutzten Grün des botanischen Gartens finden. Während das Klettern der Pflanzen die Skulptur imLaufe der Ausstellung immer weiter an diesen Ort assimilieren wird, an dem Natur und Künstlichkeit nicht voneinander zu trennen sind.
Here and Elsewhere
Does that constitute a subject matter? If so, it eludes us, not only standing out through its absence but by being inherently intangible. Wischnewski makes it materialise. He doesn’t do so by presenting a sound installation that simulates the lost soundscape. Instead, the sound becomes tangible: It takes on the weight of a sculpture, a density that can be grasped by hand. Transcriptions of potential sounds made of Plexiglass are stacked in formations that are difficult to decipher. They are encrypted as counters (a typographic term for the non-printing inner area of a letter) and reflect the local absence of sounds in written form. The acoustic milieu of this misplaced nature is condensed in Wischnewski's sculptures to form entities that are as visible as they are illegible, as transparent as they are inscrutable. They are crystals of an obscure soundscape catching the light and the visitor's gaze.
ABOUT
André Wischnewski
*1983 in Crivitz, lives and works in Mannheim
BIOGRAPHY
2018 - 2019
Master student at Academy of Fine Arts Karlsruhe, class of Prof. Harald Klingelhöller
2013 - 2018
Diploma at Academy of Fine Arts Karlsruhe, class of Prof. Harald Klingelhöller
2004 - 2008
Diploma at Academy of Fine Arts Mannheim
2000 - 2003
Vocational education as architectural draftsman, Specialization in building constructions
EXHIBITIONS
SELECTION
2026
Rheinland - Pfalz Triennale I Kunsthalle Trier (g)
2025
Double Cheese Platter: Centenary of the Collection. Twenty Years of the Kunstmuseum Stuttgart (g)
A.D.M.D.M.G.A.G.S.H.D.K.S.K.R.M.D.P.A.S.A.W I Scholarship holders of the Stiftung Kunstfonds I Kunststiftung Sachsen-Anhalt I Halle (Saale) (g)
after laughter | V8 Plattform I Karlsruhe (duo)
light obscure | kunstraum friesenstrasse Hannover (g)
2024
DELTABEBEN REGIONALE | Wilhelm-Hack-Museum (g)
TRANSFORMATIONEN | Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
(g)
Open Call-Jahresgaben | Kunstverein Ludwigshafen (g)
Kunstpreis der Heinrich-Vetter-Stiftung | Port 25 I Mannheim (duo)
2022
Später, nachdem sich alle zurückgezogen haben, hängt jeder seinen eigenen Gedanken nach... | kunstraum friesenstrasse Hannover (s)
2021
Kalinowski-Preis | Academy of Fine Arts Karlsruhe (s)
SETUP | Kunstverein Worms (duo)
ZIG ZAG | Kunstverein Bad Dürkheim (g)
...mit Verlaub | Laube Karlsruhe (s)
2020
WORTGEWANDT | Neues Kunsthaus Ahrenshoop (g)
DELTABEBEN REGIONALE | Kunsthalle Mannheim (g)
Wir sind hier | Heidelberger Kunstverein (g)
REC | Galerie Sebastianskapelle Ulm (s)
2019
Frischzelle_26 | Kunstmuseum Stuttgart (s)
TOP_0019 | Städische Galerie Karlsruhe (g)
Jahresgaben | Heidelberger Kunstverein (g)
2018
Brunnen umspielende Vegetation | Botanical Garden, Karlsruhe (duo)
Junge Kunst-Junge Künstler | Skulpturenpark Heidelberg (g)
2017
Salon Ehman Arnold | Karlsruhe (duo)
2014
Im Überblick. Repertoir III | Kunstverein Germersheim (g)
2013
Beyond Borders | Kunstverein Ludwigshafen (duo)
2011
Temporary outdoor artwork at the Mannheimer Kunsthalle (g)
2008
Skulpturenhof | Mannheimer Kunstverein (s)
(s) = solo exhibition
(g) = group exhibition
(duo) = duo exhibition
AWARDS
2024
KUNSTFONDS_Scholarship of the Stiftung Kunstfonds | Bonn
Advancement award | Mannheimer Kunstpreis der Heinrich-Vetter-Stiftung
2022
NEUSTART KULTUR-Scholarship of the Stiftung Kunstfonds | Bonn
Studio Funding | City of Mannheim
2021
Kalinowski-Award | Stiftung Kunstfonds | Bonn
Project scholarship | MWK Baden Württemberg
2020
NEUSTART KULTUR-Scholarship of the Stiftung Kunstfonds | Bonn
2019
Architectural art | IMBIT | Freiburg
2018
Award winner of the Manfred Fuchs-Preis | Skulpturenpark Heidelberg
2017
Scholarship of the Heinrich-Merz-Company Karlsruhe
2016
Award winner of the Academy of Fine Arts Karlsruhe
CONTACT

André Wischnewski
68169 Mannheim
Germany
aw@andrewischnewski.de
Portfolio on request.
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